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Chronik über Straßenbau und Straßenverkehr in dem Großherzogthum Baden.
Mit Benützung amtlicher Quellen bearbeitet
von
Director F. J. Baer
Vorstand der großherzoglichen Oberdirection des Wasser- und Strassenbaues.
Berlin, Verlag Julius Springer 1878, Seiten 540-542


Nr. 248.
Straße von Zarten über St.Peter und St.Märgen nach Waldau und Neustadt.


Länge von Zarten bis St.Peter, St.Märgen und Waldau 20,09 Kilometer = 4,52 Stunden. Das von Herzog Berthold von Zähringen und dem Bischof Gebhard in Constanz gestiftete Benedictinerkloster St.Peter in Weilheim unter Theck in Württemberg wurde 1093 auf den Schwarzwald an seine dermalige Stelle verlegt.  (Steinhofer, Neue Chronik von Württemberg 1746 II. 56 und Bernold, Chronik.)
Die Verdienste dieser Abtei um die Wissenschaft waren weniger bedeutend als jene der meisten Klöster dieses Ordens, dagegen rühme man seine Verdienste um die Industrie durch Förderung der Fabrikation von runden Fensterscheiben und Trinkgläsern, namentlich unter Abt Paul. Auch auf die gewerbsmäßige Anfertigung von Schwarzwälder Uhren und Löffeln soll das Kloster mit Erfolg eingewirkt haben.( Abt Paul legte 1663 eine Glashütte in dem sogenannten Knobelwalde an, welche aber 1728 einging; die durch sie in das Leben gerufene Glasindustrie und der Handel durch die Glasträger dauerte fort, bis Ende des vorigen Jahrhunderts. Der Glashandel rief den Handel mit Strohhüten und Uhren hervor. 1873 wurden 2 Millionen Uhren auf dem Schwarzwalde fabricirt, deren Preis auf 12 Millionen Fl angeschlagen wird. 1672 wurde die erste hölzerne Schwarzwälder Uhr in Waldau gefertigt. Die Holzlöffel waren anfangs rund mit eingesetztem Stiel. 1740 folgten Holzlöffel aus einem Stück und hierauf kamen Löffel von Zinn und Eisenblech in Gebrauch, die bis auf die neue Zeit in den Schwarzwälder Löffelschmieden gefertigt wurden. Dieser Industriezweig erlag der Concurrenz von Sachsen. Fahnenbergs Magazin 1812). Der in der Mitte des vorigen Jahrhunderts (1724-39) ausgeführte Neubau des Klosters gab Anlaß, den bis dahin bestandenen Saumweg durch das Eschbacher Thal in einen Karrenweg zu verwandeln, der aber eine so starke Steigung hatte, daß der Abt noch im Januar 1806 fünf Paar Ochsen als Vorspann brauchte, um von Eschbach nach dem Kloster zu fahren.( In Folge des Preßburger Friedens kam das Kloster an Baden und wurde 1806 aufgehoben. Noch 1813 wohnte der Abt und einige Geistliche in der Abtei. Siehe Dr. Braun, Memoiren des letzten Abts von St. Peter 1870.) Der Hauptverkehr zwischen St.Peter und den nahen Orten mit Freiburg bediente sich noch bis vor etwa 50 Jahren der Saumrosse und kleiner einspänniger Karren, die oft von Menschen gezogen und geschoben wurden. Noch in neuester Zeit hatte die Straße von Zarten über Stegen und Eschbach nach St.Peter trotz mancher Verbesserungen durch die Gemeinden(Schon 1813/14, als die Abtei für ein Militärspital benützt wurde, mußte die Straße im Frohnwege verbessert werden.) nur 4 Meter Breite und Steigen von 10-13 Procent. Noch schlechter waren die Wegverbindungen von St. Peter nach dem Glotterthal,  nach St.Märgen, Waldau,  Furtwangen und Neustadt. Um nun eine gute Landstraßenverbindung von St.Peter, St.Märgen und den umliegenden Orten mit dem Dreisamthal, dem Simonswälder Thal und mit Neustadt herzustellen, sind in dem Gesetz von 1870 über Vervollständigung des Landstraßennetzes 94,000 Fl. bewilIigt worden. Nach eingehenden Vorarbeiten kam zunächst 1874/75 die Verbesserung der Straße von Zarten über Stegen und Eschbach nach St.Peter zur Ausführung.
Die normale Straßenbreite wurde auf 5 Meter, die Maximalsteigung auf 7 1/2 Procent bestimmt. Von Zarten über Stegen bis Eschbach wurde der alte Straßenzug beibehalten, von der sog. Scherzlerzbrücke in Eschbach bis zur Straße nach Glotterthal aber ein Neubau ausgeführt. Der Zug führt 4,4 Kilometer lang auf der Sommerseite mit 2 Rampen und Steigen von 5,6 und 7 1/2 Procent (Von Stegen bis St. Peter beträgt die Höhendifferenz ca 407—1286, also 1121 Fuß.) in den Rampen steigt die Straße nur mit 3 Procent, in Radien unter 24 Meter erhielt sie 8 Meter Breite. Oberhalb der 3 Meter weiten Gewölbbrücke besitzt die Rampe einen Radius von 18 Metern, die zweite Rampe liegt 200 Fuß höher.
Zur Umgehung der steilen und schmalen Straße durch den Ort wurde der Zug durch den früheren Kloster-Sägeweier eingehalten, der schon im 17. Jahrhundert mit einen: Weg durchschnitten war.( Der sog. Langweier bestand noch 1780). Die Straße bis an das Kloster wurde verbessert. An den Kosten im Betrage von 90,342 Mark übernahmen St.Peter durch Geländestellung 4400 Fl., Eschbach durch Abgabe der auf 5000 Fl. geschätzten Güter gegen 3000 Fl. Entschädigung 2000 Fl.; sodann Zarten, Eschbach, Stegen für die Abtheilung Zarten - Eschbach 1059 Fl.,  zusammen 7459 Fl. = 12,786 Mark, daher die Staatskasse noch 77,556 Mark zu tragen hatte.
Die Straße kam von Eschbach aufwärts bis St.Peter 1874, von Zarten bis Eschbach 1875 in den Landstraßenverband. Von St.Peter nach St.Märgen bestund früher nur ein Reitweg, der wegen der vielen und starken Gegengefälle sehr beschwerlich war. Dieser Weg ist 1853/54 durch eine neue Fahrstraße auf Kosten der Gemeinden ersetzt worden. Die Arbeit wurde im Accord ausgeführt und es sind dafür von St.Peter 8000 Fl., von St.Märgen 4000 Fl. verwendet worden. Diese Straße besitzt noch mehrere starke Gegengefälle von 8 bis 10 Procent und schmale Stellen, daher ihre Verbesserung nöthig erschien. Auch von St. Märgen bis Waldau ist die Straße der Verbesserung bedürftig.
Nach einem 1875 aufgestellten Plane sind erforderlich: für Correction und Verbreiterung beim Kloster und auf Gemarkung St.Peter 24,000 Mark, Correction bei der Bierwirthschaft vor St.Märgen 6800 Mark, auf Gemarkung St.Märgen kleine Correctionen 9200 Mark, Correctionen von Pfisterwald 28.000 Mark, beim Hirsch in St.Märgen, Verminderung des Gefälls von 8-9 Procent auf 3,7 Procent und Erweiterung des Radius von 14 auf 40 Meter 1500 Mark, Verbreiterung auf Gemarkung Hinterstraß 2100 Mark, Lehenwaldcorreetion 36,800 Mark; Verbesserung auf Gemarkung Vierthäler 1600 Mark, Neubau auf Gemarkung Waldau 20,000 Mark, im Ganzen 140,000 Mark incl. des Geländes. Als normale Breite wurden 5,4 Meter bestimmt, als Gefällmaximum 7,5 Procent auf kurze Erstreckung. Man beschränkte sich zunächst auf die Bauten in den Gemarkungen St.Peter, auf einen Theil in Gemarkung St.Märgen und in Hinterstraß wofür 51,250 Mark bestimmt wurden. Hiervon übernahmen durch Geländeabgabe St.Peter 6000 Mark, St.Märgen 5600 Mark, Hinterstraß 780 Mark. Das Gesetz über Vervollständigung des Landstraßennetzes von 1826 hatte auf Grund einer Schätzung des Aufwandes für die Straßenverbesserung von Zarten bis Waldau und Langennordnach zur Straße Nr. 43 162,171 Mark bewilligt, wogegen das Gesetz von 1876 für die Verbesserung bis Waldau im Ganzen 231,242 Mark genehmigte, indem die Commission der zweiten Kammer die Ansicht der Regierung theilte, daß die Verbesserung der Straße im langen Nordnachthal kein Bedürfniß sei, so lange nicht von Waldau in der Richtung nach Furtwangen gebaut wird. Der für den Weg in Langennordnach erforderliche Kostenaufwand von 105,000 Mark blieb daher außer Rechnung.
In Betreff der lange schon gewünschten Verbindungsstraße zwischen Neustadt und Furtwangen sind drei Projecte aufgestellt worden, nämlich die Zugslinien
1.) von St.Märgen über Waldau, Kalte Herberge, Wolfmühle, Neukirch,
2.) von St.Märgen (Hirsch) über den Glasberg gegen Glashütte und 3 Stegen Wolfmühle, Neukirch und
3.) von St.Märgen (Hirsch) nach Glashütte 3 Stegen Wolfmühle, Neukirch.
 Alle diese Linien eignen sich wegen der starken Gefälle nicht für eine Landstraße, dagegen empfiehlt es sich, die Gemeinden zu Verbesserung der Verbindung von St.Märgen mit Glashütte zu unterstützen. Die Kosten würden bei Annahme von 8 Procent Gefäll 13,500 Fl, betragen. Von Glashütte bis zur Simonswälder Straße würde der schmale Weg durch das Wildgutachthal bis zur untern Rampe der Kilpenstraße beim Sterner einstweilen genügen.
Die Gemeinden wünschen auch die Aufnahme des Gemeindeweges von St.Märgen über Breitnau nach Steig auf eine Länge von 9721 Meter unter die Landstraßen. Die Kosten für Verbesserung sind unter Annahme einer Breite von 5 Meter 1876 auf 99,000 Mark geschätzt worden. Soll die Straße aber nur als Gemeindeweg verbessert werden, so würde bei Annahme einer Breite von 4,2 Meter unter Beibehaltung der bereits verbesserten Abtheilungen ein Aufwand von 53,900 Mark für die entsprechende Herstellung genügen.
Die Aufnahme unter die Landstraßen wurde abgelehnt.
Der Aufwand für die bereits ausgeführten Verbesserungen an der Straße von Zarten nach Waldau beträgt mit Zurechnung der weiter bewilligten Mittel 231,242 Mark.
Die Straße von Furtwangen über Neukirch nach Waldau wurde 1845 von den Gemeinden verbessert. Der von der Inspection Donaueschingen aufgestellte Plan wurde nur zum Theil eingehalten, weil die Höfe, welche Gelände stellen sollten, auf die Wahl der Zugslinie Einfluß übten. Die Straße erhielt dadurch viele starke Gegensteigen, sie ist sehr schmal und ohne Schutzanstalten, und insbesondere auch die Kalte Herberge sehr steil. Wollte man diesen Zug verbessern, so müßte größtentheils neu gebaut werden.
Der Gemeindeweg in die sog. „neue Welt“ wurde 1871/83 auf 2022 Meter Länge mit 4,2 Meter Breite ausgeführt. Die Kosten im Betrag von 4044 Fl. sind von der Forstdomäne, von St. Peter und von den Gutsbesitzern gemeinschaftlich aufgebracht worden. Der nur 3,5 Meter breite Gemeindeweg von St.Märgen über Waldau nach dem Thurner und über Breitnau nach Steig im Höllenthal wurde in der letztern Abtheilung von den Gemeinden mit 10,000 Mark corrigirt, so daß jetzt nur noch Steigungsmaxima von 9-11 Procent vorkommen. Zwischen St.Märgen und dem Thurner bestehen aber noch Steigen von 11-15 Procent, zu deren Ermäßigung auf 5 Procent 11,900 Mark erforderlich wären. Diese Correction kam 1877 in Anregung.