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Marie Antoinette in unserer Heimat


Badische Heimat, 1952, Heft 4, Seite 248
Nach den Quellen bearbeitet von Thusnelda von Langsdorff, Baden-Baden


Marie Antoinette 1775
Ludwig XVI. 1775
Kaiserin Maria Theresia, 1762
Bilderquelle: Wikipedia

Von längst vergangenen Tagen, wie sie die Vorväter unserer Mitbürger, ja vielleicht unsere Ahnen selbst miterlebten, soll dieser Bericht erzählen. Ihre Zeitgenossen mögen da und dort mit ihren eigenen Worten zu uns reden. Dieser Spiegel zeige uns nicht nur das äußere Geschehen, in ihm spiegle sich auch die Schlichtheit und Treuherzigkeit des alten Geschlechts, seine ehrfürchtige Unterordnung und das kindliche Verhältnis zu Fürsten.

Manche fremde Wendung, manch kindliches Wort mögen den heutigen Leser zu einem Lächeln reizen. Aber jede Zeit hat ihr eigenes Gepräge, ihr besonderes Gesicht, ihre eigene Seele, ihre äußeren und inneren Verpflichtungen und Notwendigkeiten. Bedenken wir, daß auch wir Heurigen dem Urteil der Zukunft unterstehen! Enkel und Urenkel werden anders denken und fühlen als wir Kinder unserer Zeit. Aber auch in fremden Formen wird das rein Menschliche zu uns reden.

Reges Leben herrschte in den Gassen des kleinen Landstädtchens Emmendingen. Man schrieb den 3. Mai 1770. Schon am Vorabendhatte ein seltenes Ereignis die Gemüter in Erwartung und Spannung versetzt. Denn der seinem allgeliebte Landesvater Markgraf Karl Friedrich war in seiner guten Stadt eingetroffen. Das „Journal“ von Karlsruhe berichtet darüber: Den 2. May seyen Serenissimus morgens nach 5 Uhr von hier (Karlsruhe) ab geraiset und den nemlichen Abend um 8 Uhr Höchstbeglückt in Emmendingen eingetroffen.

Aber in der abendlichen Dämmerung hatten die getreuen Einwohner wohl nicht allzu viel von ihrem guten Landesvater wahrgenommen. Ein weit bunteres Bild entfaltete sich im hellen Morgenlicht des 3. Mai, als eine Kompanie der Karlsruher Grenadiere mit der Fahne hier ihren Einzug hielten. Die Kompanie war . . . „schon den 29ten und 30ten April voraus von hier (Karlsruhe) abgegangen...Cadet Oertel als Fahnenjunker trug die Fahne... Den 3ten in der Früh kam das Commando von Grenadiers an und wurde zu denen Bürger einquartieret, jeglicher Mann aber hatte täglich 12 Kreuzer Zulag. .. Die 3 Prinzen Karl August, Wilhelm Eugenius und Christoph logierten in dem vor Dieselben bestellte Quartier bey Herrn Stadtschreiber."

Hatte schon der Einzug, das friedens-militärische Getriebe in Häusern und Gassen Stoff zum Sehen, Hören und Erzählen geliefert, so sollte der guten Bürgerschaft noch weit Wichtigeres geboten werden. Ein nie dagewesenes Erleben stand ihr bevor: Am 6. Mai sollte die Kaiserstochter Maria Antonia in Emmendingen zu kurzem Aufenthalt absteigen. Derohalb waren alle die großen Anstalten getroffen worden. Denn auch in der hochbergischen Residenzstadt sollte die künftige "Königin des großen und mächtigen Frankreich würdig empfangen werden. Am 21. April, morgens1/2 10 Uhr, hatte die Erzherzogin ihre große Reise angetreten und hatte ihren Weg genommen über Ulm bis nach Donaueschingen. Lange vorher waren die Straßen instandgesetzt worden, die der königliche Wagenzug befahren sollte. Alle österreichischen Städte wollten bei dieser Gelegenheit der Liebe zu ihrer verehrten Landesmutter‚ der Kaiserin Maria Theresia, Ausdruck verleihen, indem sie dem vierzehnjährigen Bräutchen einen festlichen Empfang bereiteten. Wo dies blonde, blauäugige Prinzeßchen eintraf, wurde ihm gehuldigt. Im festlichen Schmuck prangten alle Städte und Ortschaften an ihrem Wege. Große Empfange und Festlichkeiten aller Art mußte die reisemüde Dauphine über sich ergehen lassen. Dauphine wurde sie genannt, weil sie die Braut des Dauphin war, des französischen Thronfolgers, der seinem Großvater Ludwig XV. als König Ludwig XVI. folgen sollte. Am 19. April hatte in Wien die Trauung durch Prokuration stattgefunden. Zu Ehrender Dauphine wurde die von dem Brautzug befahrene Strecke der großen Verkehrsstraße Ulm-Schaffhausen Devotions- oder Dauphinestraße genannt. Den letzteren Namen erhielt auch die Einzugsstraße in Freiburg, nach den einen, die neue Straße an der Dreisam, nach den anderen die Salzstraße, wahrscheinlich die erstere.

Von allen Seiten strömten Scharen von Menschen herbei, um den königlichen Prunkzug zu sehen. Wer von all den jubelnden Zuschauern, welche die Prinzessin grüßten, hätte geahnt, welchem jammervollen Geschick die liebenswürdige, anmutige junge Braut entgegenging? Wer konnte denken, daß das schöne stolze Haupt, früh gealtert, unter dem Beile der Henkersknechte fallen würde?

Ihr selbst blieben Augenblicke des Bangens nicht fremd. Als sie in Donaueschingen eine Jugendfreundin, die sich bescheiden zurückhielt, unter den Wartenden erblickte, eilte sie zu ihr hin, fiel ihr um den Hals und rief aus: „Ach, Lore, du hier? Mir ist's. als müßte ich in den Tod gehen.“

Auch Goethe, der damals in Straßburg weilte und den Empfang der jungen Königin auf französischem Boden miterlebte, empfand ähnliches. Als er den Festsaal in seinem neuen Schmuck erblickte, wurde sein ahnungsvolles Dichtergemüt aufs tiefste erregt und erschüttert. Denn der große Wandteppich stellte die Hochzeit Jasons mit Creusa dar und zwar die Szene, in der Creusa durch das Geschenk der Medea einen furchtbaren Tod erleidet. „Was“, rief Goethe aus, „ist es erlaubt, einer jungen Königin das Beispiel der gräßlichsten Hochzeit, die vielleicht jemals vollzogen worden, bei dem ersten Schritt in ihr Land so unbesonnen vor Augen zu bringen? Ist es doch nicht anders, als hätte man dieser schönen, und, wie man hört, lebenslustigen Dame das abscheulichste Gespenst bis zur Grenze entgegen geschickt. Indessen waren die glänzenden Festlichkeiten und Ehrungen wohl geeignet, in dem jugendlichen Gemüte alle trüben Befürchtungen und Regungen schnell zu verscheuchen. Denn nicht nur die österreichischen Landesteile feierten die junge Braut, sondern alle Reichsfürsten, durch deren Gebiet der prunkvolle Brautzug ging, versäumten nicht der Kaiserin in der Person ihrer Tochter ihre Verehrung darzubringen.

Nach einem großen Empfange bei dem Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen war die Erzherzogin in die vorderösterreichische Hauptstadt Freiburg weitergereist.

Marie Antoinette kam durch das Höllental. Die Verkehrs- und Handelsstraße lief damals nicht im Tale, sondern stieg von Beitnau die Wagensteige herab. Für den fürstlichen Wagenzug war aber dieser Weg gänzlich ungeeignet‚ weil der Wagensteig verwahrlost und unbrauchbar war. So beschloß man, den alten Karrenweg (urkundlich 1399 und 1408) auszubauen. Dieser war ebenfalls völlig vernachlässigt, denn durch Hochwasser wurde immer wieder zerstört und mit Steinblöcken verschüttet. Seit langer Zeit war er nur noch als Saumpfad zu gebrauchen. Nun wurde er 1769 und im Frühjahr 1770 hergerichtet. Die Steinblöcke wurden hinweggeräumt und durch Felsensprengungen eine Verbreiterung der Straße vorgenommen. Am Tage des Durchzuges standen die Bauersleute in ihren schönen Trachten an der Straße, um ihr Fürstenkind auf seinem Freudenwege zu begrüßen. In Freiburg wurde der festgesetzte Ruhetag durch Empfänge, Huldigungen aller Art, darunter Paraden, Volkstänze, Theater und Stadtbeleuchtung ausgefüllt.

Markgraf Karl Friedrich von Baden hatte schon nach Donaueschingen den Geheimen Rat von Edelsheim zur Begrüßung der Braut abgesandt. Dieser Reise lagen mehrere Ursachen zugrunde. Es mochte der markgräflichen Regierung besonders erwünscht sein bei diesem Anlaß einen Rest der Verstimmung hinweg zu räumen, die einige Jahre zuvor zwischen der mißtrauischen Regierung in Wien und Karlsruhe entstanden war bei dem Abschlusse des Erbvertrages zwischen der oberen und unteren Markgrafschaft. Schon einige Zeit vorher hatte die Markgräfin Karoline Luise den unterbrochenen Briefwechsel mit der Kaiserin Maria Theresia wieder angeknüpft. Im Frühjahr 1770 teilte ihr die Kaiserin mit, daß ihre Tochter Marie Antonie durch das badische Land nach Frankreich reisen werde und empfahl ihr geliebtes Kind der Markgräfin mit Zärtlichkeit. Herr von Edelsheim sollte nun der jungen Fürstin die Einladung des markgräflichen Paares überbringen, die Einladung. in der hochbergischen Residenz Emmendingen auf ihrem Durchzuge zu rasten und dort eine Erfrischung einzunehmen. Für den Fall, daß die Erzherzogin zusage, sollte der Geheime Rat erkunden, welches Zeremoniell beim Empfange der Kaiserlichen Prinzessin und Königlichen Hoheit anzuwenden sei, weil dieser Fall in den Zeremonienbüchern und Akten nicht vorgesehen war.

Diese Aufträge scheint Herr von Edelsheim, der sich als vertrauter Ratgeber und hervorragender Staatsmann des Landes Baden einen rühmlichen Namen gemacht hat, auch in durchaus befriedigender Weise erfüllt zu haben. Erlegt seine in Donaueschingen gemachten Beobachtungen und den Inhalt seiner Besprechungen in einem eingehenden Bericht an den Markgrafen nieder. Seine Einladung wurde von der Dauphine äußerst freundlich aufgenommen, denn zu der gewöhnlichen Antwort„Ie suis obligee de l’attention, que MonsieurIe Margrave et Madame la Margrave veulent avoir pour moi" (ich bin dem Herrn Markgrafen und der Frau Markgräfin sehr verbunden, für ihre Aufmerksamkeit für mich) fügte sie noch hinzu: „L´imperatrice m’a fait esperer que je ferais leur conaissanee a Fribourg“ (die Kaiserin ließ mich hoffen, daß ich in Freiburg ihre Bekanntschaft machen würde). Betreffs der zu beachtenden Förmlichkeiten schreibt Herr von Edelsheim: „Mit dem Herrn Fürsten von Starenberg (sonst Staremberg) redete ich die Etiquette einigermaßen ab. Da die Prinzessin eigentlich incognito reiste, käme kein großes Zeremoniell in Betracht. Jedoch würde es ihr eine Ehre und ein Vergnügen sein, mit denen Fürsten und Fürstinnen des Reiches Bekanntschaft zu machen und solche bey sich bedienen zu können. Besonders aber hatte Ihre Majestät die Kaiserin herzlich erfreuet zu erfahren, daß Ihre Durchlauchten der Herr und die Frau Markgräfin nach Freyburg kommen wollen und Ihm durch einen in München erhaltenen Courier eigens anbefohlen, alles bey dieser Gelegenheit zu thun, was beyde Gäste obligieren könnte. Ich fragte an, ob man bey dem Durchgang S. Königlichen Hoheit in Emmendingen entweder ein Frühstück oder ein Mittagessen anbieten dörfte? Der Fürst von Starenberg nahm sogleich ein Frühstück an. Es wurde verabredet, die Dauphine in dem „Poßthause" zu Emmendingen zu empfangen."

Am 4. Mai war die fürstliche Braut in Freiburg eingetroffen, am folgenden Tage machten die markgräflichen Herrschaften dort ihren Besuch. Nach großen Empfangen und Vorstellungen ging man zur Tafel. Daran schloß sich eine großartige Theateraufführung „Comedie" in dem Kloster deren Herren Jesuiten. Der Theatersaal der Jesuiten war der große obere Saal der späteren Universitätsbibliothek in der Bertholdstraße.

Zu später Stunde nahmen die badischen Herrschaften ihren Abschied und begaben sich in ihr Gastquartier, die Deutschordens-Komturei in der Salzstraße. Die ganze Stadt erstrahlte nun in festlicher Beleuchtung. Auf dem Münsterturm brannten allein 1000 Lichter und sie brannten 12 Stunden lang trotz Sturm und Regen. Über die späteren Abendstunden berichtet das „Journal“. „Nach der Comödie in Freyburg beurlaubten sich die Durchlauchtigste Herrschaft, fuhren in des Herrn Commandeur von Rothberg Behaußung, alwo Ihre Hochwürden Ein Nachtessen parat hatten, weilen es aber schon spath, so haben sich die Herrschaften nicht gesezet, sondern nur etwas weniges aus der Hand gegessen, sich umgekleidet, hernach in der Stadt herumgefahren, die lllumination anzusehen und nachts um 12 Uhr nacher Emmendingen retournieret.“ (Das Journal dürfte in dieser Hinsicht zuverlässiger sein, als eine andere Mitteilung, nach welcher die markgräflichen Herrschaften andern Tags die Dauphine nach Emmendingen geleitet hätten.) Inzwischen waren in Emmendingen große Vorbereitungen getroffen worden, um der Dauphine eine Aufnahme zu bereiten, wie sie ihrem Range einigermaßen geziemte. Von Karlsruhe hatte man Wandbehänge und Möbel kommen lassen und damit die einfachen Gastzimmer der Post in Fürstenzimmer umgewandelt - „worauf dann sogleich der obere Stock im dasigen Posthauß mit denen von Karlsruhe aus mitgenommen Meubles folgendermaßen ausgezieret wurde, nemlich die Zimmer rechter Hand gegen die Straßen, wurde mit rothen Damasthenen und die Zimmer zur lincken Hand mit hauteliße Tapeten bekleidet und mit fauteuilles besezet . . Aus dem Vorplatz war eine Anticamera verfertiget, vor welcher 2 Grenadiers und innerhalb derselben 2 noble garden Posto faßten...“ Der Post gegenüber war eine Compagnie der Karlsruher Grenadiere aufgestellt.

Man kann sich vorstellen, wie es in dem kleinen Städtchen zuging‚ als am andern Morgen die Kunde durch die Gassen ging: „Sie kommen!" Eine Kaiserstochter und künftige Königin sieht man nicht alle Tage; und bei viel weniger wichtigen Anlässen konnte man wohl ganz Emmendingen auf den Beinen sehen! Und dies war auch ein Bild des Schauens wert: die Reihe von 21 sechsspännigen Prachtwagen und 36 vornehmen Kutschen mit den schöngekleideten Damen in ihren buntseidenen. bauschigen Röcken und hohen Lockenfrisuren, die vornehmen Herren in ihren farbigen Sammetröcken, das Glitzern der Gold- und Silberstickereien, der Schmuck-Stücke, der Orden- und Ehrenzeichen, dazu 450 prächtige Zug- und Reitpferde, und außer dem Gefolge von 257 Personen, Reitknechten und Postillionen das Ehrengeleite der markgräflichen Jäger. Um 10 Uhr traf der fürstliche Wagenzug hier ein. Die junge Fürstin „wurden unten am Wagen von dem Herrn und der Frau Markgräfin empfangen und biß in die obere Etage begleitet. Serenissima führten die Fürstin Paar" (Oberhofmeisterin).

Wie stellte sich nun die Königliche Hoheit dem Auge der bewundernden Zuschauer dar? Goethe berichtet uns darüber, wie er sie in Straßburg zwei Tage darauf gesehen hat. „Der schönen und vornehmen, so heiteren als imposanten Miene dieser jungen Dame erinnere ich mich noch recht wohl. Sie schien in ihrem Glaswagen, uns allen vollkommen sichtbar, mit ihren Begleiterinnen in vertraulicher Unterhaltung über die Menge, die ihrem Zug entgegenströmte, zu scherzen."

Und die Machleidsche Chronik berichtet von ihrer Reise durch Herbolzheim desselben Tages: „Den 6. 5. 1770 mittags 12 Uhr ist die Kaiserliche Prinzessin Maria Antonia Josepha Anna Johanna zue Herbolzheim durchgefahren in der 5ten Kutschen / sie ware schön verguldet und sitzete vorwärts alleing, rückwärts aber 2 Kammerfreilein, sie ist ein sehr schön jung Mensch / nicht gar groß ein schön weiß rundes Gesicht und hatte rohte Bekle / es waren vil Kutschen und große Herren dabey / Fürsten und Grafen / als unbekannt.....

Der Aufenthalt in Emmendingen dauerte kaum 1 1/2 Stunden. Während dieser Zeit „beliebten die Dauphine hier ein Frühstück einzunehmen und speißten an einer Tafel allein, zu Welcher sich die Frau Markgräfin und die Fürstin Paar sezten. Der Herr Oberschenk von Stetten hatte die Ehre zu servieren..."„Drey der schönsten deutschen Fürsten Kinder bedienten unter der Anordnung ihrer Fürstlichen Frau Mutter die liebenswürdigste Prinzessin Europens, die mit allen Reitzen aller Huldgöttinnen versehen, und die Gnade auf den Lippen sitzend Vatter‚ Mutter, Kinder, alles, was sie umgab, zu bezaubern wußte‚ mittlerweile der aufmerksame Fürst und die aller Orten gegenwärtige Fürstin bald der Prinzessin, bald dem hohen Fürstlichen und übrigen zahlreichen Gefolge die Honneurs machten und machen ließen, und Überfluß und Zufriedenheit über alle anwesende Gäste zu verbreiten wußten. Sie wurde hierauf mit dem Leibgespann des Fürsten unter tausend Segenswünschen und Vorreitung des Fürstlichen Oberstallmeisters von Uxküll bis an die Grenzen begleitet."

Das Frühstück für die Gäste hatte am Tage zuvor der Markgraf selbst durch den Geheimen Rat von Edelsheim in der Post bestellen lassen. Der Speisezettel der Hoheit lautet:

Pour Madame la Dauphine:

1. Wiener Nocklers Supp
2. Calbs Cottelets
3. gebackene Hühner
4. Pastet von Geflügel
5. Jung Huhn Braten.

Von Emmendingen ging die Reise nach Herbolzheim. Dort fand (nach der Ettenheimer Chronik) ein kurzer Aufenthalt statt. - „es stunde alles im Gewehr und thäte man alle Kutschen schmieren / zu einer Kutschen 2 Mann und thaten eine lange Stang durch die Ax (Achse) stecken / das Rad herunter gethan und geschmieret die Cönigin bleibte auch alle Herren sitzen und man thäte frische Pferde dranspannen... sie hate ein schönes Goldstück ahn und eine kleine guldene Cron auf."

Bei der Erwähnung des Herbolzheimer Stadttores fügt der Chronist hinzu: „Allhier durch diese porten ist der Lerch in das Lilienfeld geflogen." Der treuherzige Chronist gibt dem deutschen Fürstenkinde für sein ferneres Leben noch die besten Wünsche mit, die ihm sein kindlicher Sinn eingibt: „Gott geb’ ihren Königin und ihrem Eheherrn dem König alles was zum Seel und Leib nuzlich ist... auch junge Erbenbueben genug. Fiat et vivat Maria Antonia in multis annis.“

Bis zur Grenze des hochbergischen Gebiets gaben die markgräflichen Jäger und die Herren von Zins und Uexkühl der scheidenden Fürstin das Ehrengeleite. Der erstere Herr begleitete den Zug noch bis zur nächsten Reisestation, dem Kloster Schuttern. Dort wurde für die Kaiserstochter eine große Festlichkeit veranstaltet. Der Abt Vogler wurde dafür von der Kaiserin reich mit Geschenken und Ehren überhäuft.

Es war Maria Antonias letztes Fest auf deutschem Boden. Nun schritt sie ihren Schicksalsweg... hinein in Glanz und Lust, durch jugendlichen Leichtsinn zu Elend und leidvollem Ende.