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J. Brüstle, A. Ohler, N. Ohler, Ch. Schmider
Die "Kriegsberichte" aus den Pfarreien des Erzbistums Freiburg
Zustände und Entwicklungen am Kriegsende und er ersten Nachkriegszeit
aus:
Freiburger Diözesan-Archiv 
 139. Band  2019  VERLAG HERDER FREIBURG 2019


Bericht über die Kriegsereignisse. 

Eschbach 115  6.5.1946 

1. Ereignisse vor der Besetzung: Nichts Besonderes. .
2. Bei der Besetzung: Nichts Besonderes; keine förmliche Übergabe. 
3. Nach der Besetzung: Plünderungen und Erpressungen bis weit in den Winter 1945/46 hinein zahlreich und mannigfach durch Franzosen, Polen und unbekannte Täter, in einigen Fällen veranlasst durch Ausgebombte aus Freiburg, die den Winter 44/45 über als Gastfreunde mit den örtlichen Verhältnissen vertraut geworden waren. 
Objekte der Beraubung: Vorab Lebensmittel aller Art, Klein- und Großvieh, auch Gegenstände des Haushaltes und Wäsche. 
Versuchte Vergewaltigung (ein 13-jähriges Mädchen einer ausgebombten Freiburger Familie) konnte im letzten Augenblick verhindert werden. 
4. Schäden an kirchlichen Gebäuden: keine! 
5, Allgemeine Lage zur Zeit der Besetzung: Sie war sehr kritisch 
a) Große Gefahr drohte dem Dorf dadurch, dass die Wehrmacht es verteidigen wollte, um den Durchgang durch das Tal, das nach Sperrung des Höllentales größere Bedeutung erlangt hatte, zu verunmöglichen. Sonntag, 22. April, wurde das Dorf von St.Peter aus besetzt und zur Verteidigung hergerichtet. Es sollte aufs äußerste Widerstand geleistet werden. Da kam noch rechtzeitig, kurz vor Mitternacht, der Befehl zum Rückzug. Es war der Sonntag in der Oktav des Schutzfestes des hl. Josef, unter dessen besonderen Schutz sich das Dorf gleich zu Beginn und wiederum am Morgen im feierlichen Gottesdienst gestellt hatte. 
b) Weiter drohte Gefahr durch den Volkssturm bzw. durch Wehrwolfaktionen [sic!]. Jugendlicher Volkssturm hatte sich in die Berge zurückgezogen, um nach Einmarsch des Feindes das Tal zu bedrohen. Die jungen Leute wurden durch die Gesamtentwicklung, wohl auch durch Vorstellungen einer Kommission aus dem Dorf (Pfarrer, Bürgermeister, Führer des älteren Volkssturmes) bewogen, sich zu verziehen und heimzugehen. Auch der Umstand half zweifellos mit, dass die Gemeinde ein in den Bergen untergebrachtes kleines Lebensmittellager aushob. Immerhin wurde in Auswirkung dieser Aktion ein an ihr beteiligter Bürger, der offenbar als die treibende Kraft angesehen wurde, vom Werwolf 116 bzw. der SS zum Tode verurteilt; und nur seine Geistesgegenwart rettete ihn, als das Urteil in der folgenden Nacht durch einen SS-Mann vollzogen werden sollte, das Leben. Doch kam bei einsetzen der Schießerei zwischen Werwolf bzw. SS und Leuten aus dem Dorf ein elsässer Soldat, Angehöriger der deutschen Wehrmacht, der sich auf Urlaub im Dorf aufhielt, durch Schussverletzung am Oberarm zu Schaden. 
[hs.:] A. Wiederkehr 117, Pfr, 

115 Zur weitverzweigten Pfarrei Eschbach gehörten große Teile der Filiale Stegen mit der Filialkapelle St.Sebastian im Schloss Stegen. Ferner befand sich im Schloss das Noviziatshaus der Herz-Jesu-Priester. Der Pfarrbezirk zählt 1939 708 Katholiken und elf Protestanten. Vgl.  Realschematismus 1939, S. 26.
116 Die „Werwölfe“ waren Teil einer geplanten Widerstandsbewegung, die in Deutschland die feindlichen Truppen bekämpfen sollte. Die Werwolf-Gruppen bestanden vorwiegend aus jungen Männern. Vgl. Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 873-875, 
117 Seit Mai 1935 war Arnold Wiederkehr (* 20. 09. 1892 in Schwerzen, + 25. 07. 1958 in Singen) Pfarrer von Eschbach und er blieb bis 1947. Vgl. Necrologium Friburgense 1958, S, 474. Vor Pfarrer Wiederkehr wirkte Josef Mattes als Seelsorger von Eschbach. Bereits 1908 war er als Pfarrverweser gekommen, war 1915 auf die Pfarrei investiert worden und verbrachte ab 1935 seinen Ruhestand in Gengenbach. Vgl. Necrologium Friburgense 1938, S. 25.