Erlebtes und Geschichten von Pfarrer Josef Hog in Eschbach 1968-1981
Zur Zeit- und Familiengeschichte
Das Jahr 1917 in meinem Leben (zeitliche Angaben aus dem Gedächtnis)
Allgegenwärtiger 1. Weltkrieg: nach der Niederlage bei Verdun – das Ende bereitet sich vor – Vater in großer Gefahr, aber voll Gottvertrauen „meine Leute beten für mich“. Harter Winter, im Frühjahr Grippeepedemie, erstmals. Viele Kinder sterben – von Mieswebers Wagensteig: 5, 3 in einer Woche!
Im Sommer Hamsterei der Freiburger: Familie Schmitt, „Krone“ schickt Familie Edmund Husserl mit Assistentin Edith Stein in mein Elternhaus. Edith Stein empfängt dabei tiefe Eindrücke in die echte Frömmigkeit der Katholiken. „Ich hab die Hühner gackern hören“. Magd Albertin „jetzt kunt des Mensch zu der Viehtür ri“! Im Herbst: wir hatten auf Miesers Feld Kartoffeln gepflanzt und waren froh drum; nun kamen die Ratten und fraßen sie uns. Albertine ging mit der Mistgabel an sie. Thomasbauer, der allein daheim war und die Nachbarhöfe versorgen musste, brachte uns eine scharfe Katze, die mit den Ratten kämpfte. Man gab ihr Speck, damit sie die Ratten nicht fraß! Unsere einzige Sau bekam Scharlach; wir machten eine Fußwallfahrt zum heiligen Antonius – Sautoni – nach Neukirch. Die Sau wurde wieder gesund. Alle Bratwürste waren zu verschenken an arme Leute.
Der Vater hatte im Sommer 14 Tage Urlaub. Es musste das Heu heimgetragen werden, der Hausbrunnen war kaputt und zu flicken.
Ich kam ins 1. Schuljahr, hatte zuvor ein Karfreitagsei zu essen bekommen (Aberglaube?!). Unser Lehrer war Herr Mußler, der uns jeden Tag verhauen hat. Wir wurden in der Reihe der Dummheit in die Bänke gesetzt. Mein Vetter Alois Reich kam an die letzte Stelle, es hieß, es genügt, wenn er den Namen schreiben kann.
Im jahr zuvor hatte ich die erste Fußwallfahrt für den Vater gemacht mit Mutter und Marie: Zweriberg, St.Peter Soldatenfriedhof, Kirche, (Subregens Nik. Gihr gab mir seinen Segen!) dann auf den Lindenberg, wo Schwester Jeremia dem kleinen Büble ein Gutsele gab, woran sie sich nach 50 Jahren noch erinnerte. Spätabends kamen wir dann heim! Im bewußtsein aber: Das Beten hilft!
In der Pfarrei St.Märgen war Pfarrer Albicker krank geworden. Er hatte als Pfarrer immer noch 2 mal in der Woche Religions-Unterricht in den Schweighöfen gehalten, der Vikar Glashütten und Wildgutach. Unsere schönen Glocken waren da geblieben, läuteten zm Trost und Trauer. Großvater Peter Rombach war noch Bürgermeister, 1919 dann seine Goldene Hochzeit. Vikar Tröndle besorgte lange die Pfarrei und wäre gerne Nachfolger geworden. Als kleines Büblein half ich gerne dem Mesner beim Läuten am Werktag. Am Sonntag läuteten die Schweighöfer und haben uns „Dörfler“ hinausgehauen. Als Tröndle von meiner Pirmir 1935 hörte, frug er, wer dieser Pirmiziant sei: man sagte es ihm. Er: „Was, sell klei kropfig Sepple“!
Am Samstag wurde ich mit Marie regelmäßig zum Rosenkranz nach StMärgen geschickt und bekam dann von der „Schlenkernäherin“ ein Bildchen. Wegen der Kriegsnot war immer mittags 12-1 Uhr Kriegsbetstunde in der Kapelle; kamen wir nicht dorthin, dann wurden wir auf den Ohmen geschickt. Die schönen Glocken durfte St.Märgen behalten! Erst die Nazi brachten sie fort, weil sie wegen der Lästerung im „Hirschen“ zur Sühne geläutet hatten. Der Bochumer Verein lieferte dann für Reichsmark und Speck schlechte Stahlglocken, die 1988 noch da sind; Tausch oft angeboten. Saum soll neu beschaffen; Pfarrgemeinderäte erschweren die Sache sehr.
200 Jahre Eschbacher
Kirche 1790-1990
Wir feiern Jubiläum der Eschbacher
Kirche. Auch ich, gebeten zu sprechen, tue es gerne, sehe mich aber auch
berufen, zu sprechen über das Eschbacher Pfarrhaus, das ich erlebt und
erlitten habe. Josef II. hat die Lindenberg Wallfahrt verboten. Ich stand
einmal an seinem Grab in Wiens Kapuzinergruft. Ich sagte: Du bist schuld, daß
ich Pfarrer von Eschbach bin. Er ließ auf sein Grab schreiben: Hier ruht der Mann,
der all seine Pläne scheitern sah!
Daß die Kirche so steht, am schattigsten Platz im Tal, verdanken wir dem grimmigen Feind des Abtes von St. Peter, den Kirchenreferenten in Karlsruhe , Häberlin. Der Abt wollte die Kirche dorthin stellen wo der Friedhof ist, sie mußte dorthin wo sie steht, damit der Staat keine zweite Brücke bauen mußte.
So kam es, daß sie nicht nach Osten sondern nach Nordwesten geneigt ist und das Pfarrhaus auf der Wohnseite keine Sonne hat. Zu meiner Zeit war es auch nicht möglich im Winter zu baden oder zu duschen. Mein Gesuch wurde abgelehnt „Schauen Sie, daß Sie aus diesem kranken Haus herauskommen “. Meine gute Rosalia ist daran gestorben. Nun weiß ich, was Leiden im Leben zu bedeuten haben und in meinem Leben habe ich die Leiden zweier Weltkriege erlebt.
Ich darf auch Grußwort sprechen: besonders von dem Feriengast: Franz Hengsbach, Bischof und Kardinal von Essen. Er hat mich einmal zum Gegenbesuch eingeladen: Essen, wo man vor Ruß und Rauch kaum eine Sonne sieht.Der Lindenberg und meine Beziehungen dorthin.
1916 kam ich an der Mutter hand zum ersten Mal auf den Lindenberg, Gebet für den Vater im Krieg. 1927 wurde das Exerzitienhaus Lindenberg erbaut (Diözesan Jubiläum).
Das Haus brauchte eine gute Zufahrt für Autos, da der Fahrweg zu den Äckern sehr schlecht war. Das Straßenbauamt stellte einen pensionierten Straßenbaumeister, Herrn Tehof zur Verfügung und einen Straßenwart als Werkmeister. Das war mein Vater. In den Studentenferien machte ich Straßenwart an der Ohmbergstraße. Der Vater holte die Lesesteine von den Äckern, was den Bauern lieb war. Rektor Boggel machte den Organisator mit der ihm eigenen Klugheit. Nur durfte der Vater an den Kirschbäumen keine Äste absägen. Durch diesen Omnibusbetrieb auf den Lindenberg entstand dann die Feindschaft des Hirschenwirts in St. Peter „Die Postomnibusfahrgäste fragen mich vor dem hause: „Wo geht’s zum Lindenberg“; ich zeige ihnen den Weg zur Konkurrenz. Im Winter machen sie Exerzizien, im Sommer haben sie Kurgäste“. Dazu dann noch Predigten des Caritaspräsidenten Benedikt Kreuz von der Unteren Mühle. Daraus erwuchs die Stärke der NS in St. Peter. Vater nächtigte dann in einem Kämmerlein in der Kaplanei. Besonders schwierig war das Sträßlein beim Muggenburehof, da der Weg vor dem Haus hinaufging und nicht, wie Vater wollte, um den ehemaligen Weiher herum, wie er jetzt geht. Wenn man mit dem Auto jetzt durch das Sträßchen saust, denkt unsereins an jene Zeit.