NameFriederike Gertrude de ROOCK van Es 
Birth Date26 June 1830
Birth PlaceJava
Death Date6 August 1908 Age: 78
Death PlaceIngelheim
Spouses
Birth Date26 September 1813
Birth PlaceTiel / NL
Death Date9 July 1880 Age: 66
OccupationOffizier, Holländischer Major
Marr Date21 November 1849
Marr PlaceWiesbaden
Notes for Friederike Gertrude de ROOCK van Es
Tochter von Albert Gerhard de Roock (1787-1867) und Anna Johanna van Es (Lebensdaten unbekannt) am 26. Juni 1830 auf der niederländisch-indischen Tropeninsel Java geboren. Sie wuchs auf der väterlichen Zuckerrohrplantage PADJARAKAN am Fuß des Vulkans Bromo auf und verbrachte ihre Kindheit inmitten von Mangobäumen und Reisfeldern.
Der Niederländer Albert Gerhard de Roock hatte auf Java - unternehmerisch geschickt und von der kolonialpolitischen Situation profitierend - mit Zuckergewinnung und -handel ein großes Vermögen angesammelt. Im Jahr von Gertrudes Geburt wurden jedoch die Handlungsspielräume für private Unternehmer auf Java durch die niederländische Kolonialregierung mehr und mehr eingeschränkt. Zudem vertrug de Roocks Ehefrau Theodora Sophia Frederika (geb. Knibbe, 1795-1873) das feucht-heiße Klima nicht gut, sodass das Ehepaar, zusammen mit Gertrude, der Tropeninsel Ende der 1830er-Jahre den Rücken kehrte.? Während die Familie ihren Hauptwohnsitz in Den Haag/Niederlande bezog, fuhr sie ab 1841/43 regelmäßig zur Sommerfrische in ihre neu erworbene, repräsentative VILLA PADJARAKAN in Nieder-Ingelheim.°
Am 21. November 1849 heiratete die 19jährige Gertrude in Wiesbaden ihren 17 Jahre älteren Cousin, den niederländischen Offizier Antonie Huibert van Krieken (1813-1880).° Das Ehepaar lebte in Den Haag, wo auch ihre drei Kinder geboren wurden und aufwuchsen: der an Tuberkulose früh verstorbene, hochtalentierte Rechtsphilosoph Albertus Theodorus (1851-1875)’ sowie die beiden Töchter Jetta Hubertina Agnietta (verh. von Kittlitz, 1856-1929) und Antonina Friederike Maria (verh. Schüler, 1859-1917).° Aquarelle von Ingelheimer Bauern, Winzern oder einem Brauereibesitzer aus der Hand
des begabten Erstgeborenen belegen zahlreiche Besuche in der großväterlichen VILLA PADJARAKAN in Nieder-Ingelheim.? Nachdem 1867 Albert Gerhard und 1873 Theodora Sophia de Roock verstorben waren, nutzte Familie van Krieken die VıLLA PADJARAKAN vorrangig als Sommersitz und Rückzugsort. Gleichzeitig betrieb Gertrude van Krieken mithilfe von Verwaltern die von ihrem Vater geerbte Zuckerrohrplantage PADJARAKAN im heimatlichen Java weiter.
Nach dem Tod ihres Ehemannes Antonie Huibert im Jahr 1880 verlegte die 50jährige Gertrude - zusammen mit ihrer 21jährigen, noch unverheirateten Tochter Antonina - ihren Hauptwohnsitz von Den Haag ins ländliche Nieder-Ingelheim.!! In den darauf folgenden Jahren ließ sie die VILLA PADJARAKAN durch den Mainzer Architekten und Dombaumeister Ludwig Becker (1855-1940) im späthistoristischen Stil erweitern und von dem Bildhauer Anton Scholl (1839-1892) verschönern, der auch Reliefs am Mainzer Hauptbahnhof gefertigt hatte. Zudem wurden auf dem Parkgelände zusätzliche Dienstbotengebäude errichtet.
Ab diesem Zeitpunkt übernahm Gertrude van Krieken in Nieder-Ingelheim auch die philanthropische Rolle ihres Vaters. So stiftete sie 1898 25.000 Mark für notleidende Arbeiter/Frauen oder spendete 1901 1.000 Mark zum Bau einer Gewerbeschule." Als sie im Alter von 78 Jahren am 6. August 1908 - 28 Jahre nach ihrem Ehemann - in der VILLA PADJARAKRAN starb, vermachte sie der Gemeinde Nieder-Ingelheim testamentarisch weitere 200.000 Mark zum Bau eines Waisenhauses. Dieses konnte zwei Jahre später eingeweiht werden und sich um 18 Zöglinge kümmern. Im gleichen Jahr wurde mit dem Bau der Friedhofskapelle in Nieder-Ingelheim begonnen, die ebenfalls durch die van Krieken’sche Stiftung finanziert wurde. Vor allem jedoch ermöglichte das große Stiftungsvermögen von Gertrude van Krieken die Umwandlung des von Natalie von Harder (1805-1882) 1857/58 gegründeten Ludwigstifts am Heidesheimer Weg in ein modernes Krankenhaus, das über Operationszimmer, Röntgenapparat sowie Gas- und Elektrolicht verfügte.
Als 1939 ein Krankenhaus-Neubau in Ingelheim notwendig wurde, wäre auch dieser ohne das gemeinnützige Erbe Gertrude van Kriekens nicht möglich gewesen." Zum einen diente das von ihr gestiftete und seit 1922 zweckentfremdete Waisenhaus am Ober-Ingelheimer Weg als Mittelstück des Krankenhausneubaus. Zum anderen konnten die Gelder aus der van Krieken’schen Waisenhausstiftung mit Erlaubnis ihrer Erbin Maria Emmerling (geb. Schüler, 1886-1967) dem Krankenhausvermögen zugeschrieben werden. So beruhte die langjährige medizinische Notfallversorgung der Ingelheimer Bevölkerung auf der Wohltätigkeit der im tropischen Java geborenen und in Nieder-Ingelheim bestatteten
Stifterin Gertrude van Krieken.
aus:Von Java nach Nieder-Ingelheim - die Stifterin - Gertrude van Krieken (1830-1908)
von NICOLE NIERAAD-SCHALKE