zum Inhaltsverzeichnis

Betreff: wg. Erstnennung Eschbach im Dreisamtal



Sehr geehrter Herr Schuler,
Sie haben diese Mail von Frau Skoda offensichtlich noch nicht erhalten. - Ich hatte Ihnen vor einiger Zeit mitgeteilt, dass sie mir als Expertin für den Rotulus San Petrinus genannt wurde. In ihrer Stellungnahme problematisiert sie die erste urkundliche Erwähnung. Ein eindeutiges Datum ist offensichtlich schwer zu verifizieren. Vielleicht können wir gelegentlich diesbezüglich telefonieren.
Mit freundlichen Grüßen
Heinrich Graf
- Kreisarchiv -
Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald - Fachbereich Schulen & Gebäudemanagement - Stadtstraße 2, 79104 Freiburg i. Br.

-------------------------------

Petra Skoda

Thema: Erstnennung Eschbach im Dreisamtal

Sehr geehrter Herr Graf,

03.07.2009
inzwischen ist der Wechsel von Jena nach Dresden vollzogen. Leider hat mein Laptop mit den Notizen zu unserem Telefonat den Umzug nicht unbeschadet überlebt.

So weit ich mich erinnere, fragten Sie nach den Belegen im Rotulus Sanpetrinus zu Eschbach im Dreisamtal, wobei Sie das Datum 1112 und einen Personennamen nannten.

Wie so oft ist die Lage auch hier weniger eindeutig als die örtliche Bevölkerung sich das wünschen mag.

Wenn der "Heimatgeschichtliche Arbeitskreis Stegen" auf seiner Homepage in einer Zeittafel Eschbach zu 1093 als Teil des Klosterbezirkes von St. Peter nennt und den im Rotulus genannten Diemo von Eschbach auf 1112 datiert, so sind dabei verschiedene Dinge unzulässig vermischt worden.

Richtig ist, dass in einer Grenzbeschreibung, die innerhalb des Rotulus Sanpetrinus in zwei Fassungen enthalten ist, in der älteren einer der Markierungspunkte Acelinisbach heißt. Beide Fassungen sind auf den 27. Dezember 1111 datiert (....] VI. Kal. Ian. id est in nativitate sancti Johannis euangeliste. Anno. dominice incarnationis Mo.Co.XIIo.anno sexto H regis huius nominis quint[i] [...] - die Jahreszahl 1112 erscheint deswegen, weil die lateinische Datumsangabe den 1. Januar 1112 als Bezugspunkt hat), beide sind aber mit zeitlichem Abstand zum genannten Termin in bestimmter Absicht hergestellt worden, die eine noch im 12., die andere Anfang d. 13. Jahrhunderts. Ordnet man Acelinisbach in den Kreis der anderen genannten Grenzmarken ein, so ist nicht unwahrscheinlich, dass damit nicht eine Siedlung, sondern der Bach gemeint ist. Insofern ist dieser Beleg als Ersterwähnung des Ortsnamens Eschbach im Dreisamtal nicht unproblematisch.

Nun zu Diemo von Eschbach, mit dessen Namen überhaupt kein Datum in Verbindung zu bringen ist und auch die Identifizierung seiner Zubenennung im Dreisamtal lässt sich nicht absichern, denn er ist nur dieses eine Mal genannt. Neuere Forschungen zur Struktur des Rotulus Sanpetrinus von Jutta Krimm-Beumann, GLA Karlsruhe (vgl. ihren Beitrag im Sammelband zu "900 Jahre St. Peter", hg. u.a. v. Th. Zotz), warnen davor, sich Angaben 'benachbarter' Notizen des Rotulus zu Nutze zu machen, denn mann muss davon ausgehen, dass die im Rodel verzeichneten Schenkungen zunächst auf Einzelblättern notiert und erst später in den Rotulus eingetragen wurden (und das nicht nach chronologischen Gliederungsprinzipien, sondern nach regionalen, besitzmäßigen u.a.) Insofern ist Demo von Eschbach nur in die Zeit zwischen der Verlegung des Klosters St.Peter auf den Schwarzwald (1. August 1093) und dem letzten datierten Eintrag des RSP (6. Juli 1203) einzuordnen. Alles Weitergehende wäre grob fahrlässig.

Auch problematisch, aber im Kreis der Belege noch am eindeutigsten ist deshalb die Nachricht von einer Mühle in Eschbach, die im Zusammenhang mit einem Tausch erwähnt ist, den Abt Eppo, der nach dem Tod seines Vorgängers am 5. Dezember 1108 bis zu seinem eigenen am 1. Juni 1132 St.Peter vorstand, vorgenommen hat. Da sie zusammen mit einem Gut in Ebnet genannt ist, wird man wohl davon ausgehen dürfen, dass das nahe gelegene Eschbach gemeint ist. .

Soweit in aller Kürze. Zum besseren Verständnis hier die Belegstellen im Überblick

03.07.2009
-Grenzbeschreibung (ältere Fassung): Or. GLA 14/4, fol. 4r. Dr.: v. Weech, RSP, S. 141f.; Fleig, St. Peter, n. 8a, S. 101f. Reg.: Parlow, Zähringer, n. 186. Einen synoptischen Druck der verschiedenen Fassungen der Grenzbeschreibung bietet Borgolte, Urkunden zu Besitzstreitigkeiten, in: Kelten und Alemannen im Dreisamtal, S. 169-78.

-Diemo v. Eschbach: Or.: GLA 14/4, fol. 6r. Dr.: RSP, S. 143f.; Fleig, St.Peter, n. 33, S. 106.

-Eschbacher Mühle: Or.: GLA Karlsruhe 14/4, fol. 6r. Dr.: RSP, S. 144; Fieig, St. Peter, n. 41a, S. 107. Termimus ante quem ist der Tod. Abt Eppos v. St: Peter 1132 Juni 1. |

Für Nachfragen stehe ich nötigenfalls zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Petra Skoda - Historisches Seminar d. Albert-Ludwigs-Universität - Institut f. Landesgeschichte

Zur urkundlichen Ersterwähnung von Eschbach in der Literatur:
Das im Rotulus Sanpetrinus erstmals genannte Asschebach (12. Jahrhundert) gehörte offenbar zur Gründungsausstattung des Klosters St. Peter. Älter als dieser Teil dürfte jedoch der Dinghof des Klosters Einsiedeln sein, der über mehrere Zwischenstationen an die Freiherren von Sickingen gelangte.

Wappenbuch. Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, 1994, S. 351:
Eschbach, benannt nach dem Baumbestand an seinen Ufern, wird wie Weiler erstmals im Romulus San Petrinus erwähnt: Ein Demo von Asschebach (Eschbach) vergab um 1112 zwei Wiesen dort an St.Peter, dazu erhielt das Kloster eine Mühle in Asschebach geschenkt, und später erscheint in einer Zeugenreihe Rudolf, Sohn von des Bernhard von Eschbach (Ascebach).

Klaus Weber, St.Peter im Wandel der Zeit, 1992, S. 15:
Im 12. Jahrhundert Asschebach; vermutlich schon 969 unter den Gütern des Klosters Einsiedeln in der Mark Zarten. Zwei Dinghöfe, der eine_genannt im Urbar des Kl. Einsiedeln von 1217/22, späterer Gitzenhof, der andere im Besitz des Kl. S. Peter (Schürhof).

Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden Bd VI, 1982, S. 118:
Der andere größere Teil von Eschbach gehörte zur Gründungsausstattung des Klosters St. Peter im 12. Jahrh. Im Rotulus Sanpetrinus wird zu dieser Zeit der Ortsname (Asschebach) erstmals genannt. Sonst herrscht gegenüber der frühen Überlieferung zuweilen Unsicherheit, ob Eschbach (Kr. Müllheim) oder Eschbach (Ldkr. Freiburg) gemeint ist. Die Herren von Eschbach sind jedenfalls nach dem ersteren Ort genannt.

Freiburg im Breisgau. Stadtkreis und Landkreis. Amtliche Kreisbeschreibung 171, 1972, S. 280:

Zur Nennung von „Eschbach“ im Rotulus Sanpetrinus:
1. Von Acelinisbach bis zum Schallenberg und von da bis zum Rohrberg und von da bis Schönbrunn oder Schönbach und von da bis zum Ursprung der Glotter
und [...] |
Geschehen an den 6. Kalenden des Januar, das ist am Fest des heiligen Evangelisten Johannes, im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1112, im sechsten Jahr des Königs Heinrich, des fünften dieses Namens [...]

2. Diemo von Asschebach schenkte in demselben Ort dem seligen Petrus zwei Wiesen

3. [...] und zu diesem Zweck wurde der erwähnten Kirche eine Mühle in Asschebach [...] zu eigen gegeben.

4. Zeugen dieses Geschäftes sind: [...]. Rudolf, Sohn des Bernhard von Ascebach

Literatur:
Der Rotulus Sanpetrinus, nach dem Original hrsg. von Friedrich v. Weech, Freiburger Diözesanarchiv 15 (1882), S. 142-145, 151 |

Urkunden zu den Besitzstreitigkeiten zwischen den Klöstern St. Gallen, St.Peter und St. Märgen (1111 — 1136), in: Kelten und Alemannen im Dreisamtal, Beiträge zur Geschichte des Zartener Beckens, hrsg. von Karl Schmid, Bühl 1983, 169 - 178